Drachenblut: Wirkung und Anwendungsgebiete

Drachenblut, so nennt die indigene Bevölkerung des Amazonasgebiets die Pflanzenmilch von Croton lechleri, einem immergrünen Baum. Die Einheimischen verwenden den harzigen Saft für Wundschutz- und Heilung, aber auch zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden und Infektionen sowie zur Stillung von Blutungen. Auch in der Traditionellen chinesischen Medizin kommt Drachenblut wegen seiner positiven Eigenschaften zum Einsatz.

Was ist Drachenblut?

Unter dem Namen Drachenblut firmieren Harze von intensiver roter Farbe, die von verschiedenen Pflanzen gewonnen werden. Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Drachenblutbäumen. Dazu gehören zum Beispiel Pterocarpus officinalis, eine Hülsenfruchtpflanze, heimisch in Westindien, Dracaena draco, der kanarische Drachenbaum, oder die chinesische Pflanze Dracaena cambodiana.

Erstmals taucht Drachenblut in der Geschichtsschreibung bei den antiken Autoren Dioscorides und Plinius dem Älteren auf. Das rote Harz des Baumes Dracaena cinnabari soll beim Kampf eines Elefanten mit einer drachenähnlichen Kreatur entstanden sein. Das Blut beider Tiere soll sich miteinander vermischt haben und wird von den Dichtern entsprechend als Drachenblut beschrieben. Man schrieb ihm magische Kräfte zu und glaubte, es vertreibe böse Geister.

Sangre de Grado (Peru), Sangre de Drago (Ecuador) oder Sangre de Grada (Bolivien) nennt die indigene Bevölkerung den Pflanzensaft des Baumes mit dem botanischen Namen Croton lechleri. Der immergrüne, schmale Baum wächst im gesamten Amazonasgebiet. Er erreicht eine Höhe von 10 bis 20 Metern und trägt große herzförmige Blätter.

Dieser Baum gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Aus seinem Stamm kann eine latexartige, harzige Milch, das Drachenblut, gewonnen werden. Es wird von der indigenen Bevölkerung seit langer Zeit zu verschiedenen medizinischen Zwecken eingesetzt.

Wie wird Drachenblut gewonnen?

Um Drachenblut (Sangre de Drago zu) gewinnen, muss der Baum gefällt oder zumindest verwundet werden. Um möglichst schonend vorzugehen, wird per Hand ein V in die Rinde des Baumes geritzt, sodass ein schaumiger Saft heraus läuft. Ist der Saft versiegt, wird die Stelle mit Erde verschlossen.

Das hochwertige und reine Drachenblut, das du bei Naturopathys kaufen kannst, stammt aus dem ecuadorianischen Teil des Amazonasregenwalds. Die Bäume werden von den Angehörigen des Kichwa-Stamms, einem indigenen Volk, sorgsam und nachhaltig gepflanzt, gepflegt. Bei der Ernte entsteht 100 % reiner Saft. Das Endprodukt wird in familiärer Beziehung zum Grosshändler fair gehandelt. Es enthält keine künstlichen Zusätze wie zum Beispiel Lösungsmittel.

Auch in Pulverform kannst du Drachenblut kaufen. In diesem Fall handelt es sich um getrocknetes und pulverisiertes Harz des Drachenblutbaums, das von indigenen Stämmen auch als Rächermittel verwendet wird. Informiere dich beim Kauf immer darüber, von welcher Pflanze das Produkt gewonnen wurde, denn Zusammensetzung und Inhaltsstoffe variieren erheblich.

Drachenblut: Wirkung und Anwendung

Im Nibelungenlied tötet der Held Siegfried einen Lindwurm und badet in dessen Blut. Das Blut des Drachen lässt die Haut des Helden unverwundbar werden. Während des Bades bemerkt Siegried allerdings nicht, dass zwischen seinen Schulterblättern ein Lindenblatt haftet. Die Haut unter dem Blatt, kommt nicht in Berührung mit dem Blut des magischen Ungeheuers. Auf König Gunthers Befehl hin wird Siegfried später an dieser Stelle tödlich verwundet.

Alles nur Märchen? Überhaupt nicht! Denn der harzige Saft von Croton lechleri wirkt tatsächlich wie das Drachenblut in der Heldensage. Auf die Haut aufgetragen bildet er einen dünnen Film und kann vor Verletzungen schützen oder aber bereits bestehende Wunden verschließen. In der traditionellen Medizin der indigenen Einwohnerinnen und Einwohnern des Amazonasgebiets wird er zu diesem Zweck schon lange verwendet.

Sangre de Drago stillt auch größere Blutungen. So kommt es bei den Indigenen sogar im Zusammenhang mit Dammrissen bei Geburten zur Anwendung. Studien zeigen, dass Drachenblut die Wundheilungszeit verkürzt und die Narbenheilung unterstützt. Das liegt vor allem am hohen Anteil des Alkaloids Taspin.

Wegen seiner antibakteriellen und fungiziden Eigenschaften gibt es außerdem Drachenblut Anwendungsgebiete bei der Behandlung von Aphten oder Hautpilzen zum Einsatz. Innerlich angewendet kann es gegen Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden wirken. In den USA wurde es als Medikament gegen Diarrhoe für HIV-Patientinnen und -Patienten zugelassen.

Die Drachenblut Wirkung wird durch Antioxidantien ergänzt, die das Immunsystem stärken. Diese gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen, auch OPC genannt. Antioxiantien sollen sogar Krebs vorbeugen und die Alterung verlangsamen.

Was muss ich beachten?

Wie viele Phytotherapeutika ist Drachenblut ein hochaktives Allergen. Falls du noch nie damit in Berührung gekommen bist, gib zunächst ein bis zwei Tropfen auf deinen Arm oder Handrücken. Sollten Anzeichen einer Allergie – Jucken, Brennen, Hautausschläge – auftreten, solltest du von der Verwendung von Drachenblut absehen.

Treten im Zusammenhang mit der Verwendung Nebenwirkungen auf, solltest du das Mittel nicht länger benutzen. Drachenblut ist kein Medikament und kann im Falle ernsthafter oder anhaltender Symptome nicht die Konsultation eines Arztes oder einer Ärztin ersetzen.

Vorsicht vor der roten Farbe! Hochwertiges Drachenblut ist ein intensiv farbiges Harz und lässt sich nur schwer aus Kleidung und Textilien entfernen. Deshalb wird es übrigens auch zur Lackierung von Möbeln oder Instrumenten verwendet.

Sangre de Drago ist ein verderblicher Pflanzensaft. Du solltest ihn lichtgeschützt und kühl lagern und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Nach dem Öffnen ist das Produkt ca. 12 bis 18 Monate haltbar. Die Haltbarkeit kannst du durch Verreiben auf der Haut überprüfen. Das funktioniert am besten mit einigen Drachenblut-Tropfen auf deinem Unterarm. Wenn der Saft auf der Haut milchig schäumt, kannst du das Produkt verwenden.

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